Tablet/Laptop-Hülle aus Leder

Technische Geräte werden immer teurer und umso trauriger ist es, wenn sie ohne Schutz runterfallen. Da ich genau davor Angst habe, beschloss ich, mir einfach selbst eine Schutzhülle zu nähen.

Warum auch kaufen? Nähen macht schließlich viel mehr Spaß!



Meine Tablet-Hülle besteht aus Leder, damit es besonders robust ist. Deshalb ist hier die gesamte Verarbeitung darauf ausgelegt. Das ganze funktioniert natürlich auch mit Kunstleder. Allerdings ist hier die Oberfläche empfindlicher, da hier ein Trägermaterial (Textilgewebe) mit einer PU-Schicht überzogen wurde. Diese kann sich mit der Zeit abnutzen.

Gerade weil ein Tablet oder Laptop gerne Mal in den Rucksack oder die Tasche gepackt wird, sollte hier das äußere Material strapazierfähig sein, damit die Hülle dauerhaft schön aussieht.


Für eine selbst genähte Schutzhülle benötigst du:


  • Leder (oder Kunstleder)

  • Futter (dichtes Baumwollgewebe)

  • Schaumstoff (ca. 3mm dick)

  • Filedon (Kantenfix - etwa 1,5-2,5cm breit)

  • Textilkleber (muss nach dem Trocknen flexibel bleiben und darf keine Lösungsmittel enthalten)

  • Kantenfarbe (auch Edge Kote genannt)

  • dickes Garn

  • 2 Nähnadeln

  • Magnetknöpfe nach Bedarf (dürfen nicht zu stark sein) Alternativ: Druckknöpfe

  • Papier

  • Schere

  • Stift

  • Geodreieck

  • Nähmaschine und Bügeleisen


Das Schnittmuster


Für die perfekte Größe ist es am einfachsten, das Tablet oder den Laptop auf ein Papier zu legen und mit einem Stift einmal herum zu fahren. Anschließend die Kanten mit dem Lineal begradigen und die Dicke des Geräts ausmessen. Ist es beispielsweise 2cm dick, so zeichnest du parallel um die Grundform 2cm+0,5cm für die Naht.



Um nun besser das Gerät greifen zu können, kannst du am Grundschnitt eine Mulde an der Einfasskante einzeichnen.









Soll die Hülle an der oberen (langen) Kante zum Schließen umgeklappt werden, so kannst du auf dem Grundschnitt eine Klappe einzeichnen.

Wenn sie dir gefällt, kannst du sie nach oben hin spiegeln.


Alle Ecken können nun mithilfe eines kleinen runden Gegenstandes (z.B. ein Cremedeckel) abgerundet werden. Dabei sollte die Form möglichst zu den abgerundeten Ecken des Geräts passen.




Der Zuschnitt


Für die Variante ohne Klappe, ist der Grundschnitt mit Mulde das vordere Schnittteil. Für die Rückseite wird der Grundschnitt verwendet:

Beide Schnittteile werden jeweils 1x aus Leder zugeschnitten. Das Futter wird ebenfalls jeweils 1x benötigt, wird aber rundherum mit einer Zugabe von 1-2cm zugeschnitten. Der Schaumstoff wird ebenfalls jeweils 1x zugeschnitten und anschließend rundherum 0,5-0,7cm zurückgeschnitten.



Für die Variante mit Klappe, ist der Grundschnitt mit Mulde das vordere Schnittteil. Für die Rückseite wird die gesamte Form mit gespiegelter Klappe verwendet:

Beide Schnittteile werden jeweils 1x aus Leder zugeschnitten. Das Futter wird ebenfalls jeweils 1x benötigt, wird aber rundherum mit einer Zugabe von 1-2cm zugeschnitten. Der Schaumstoff wird 1x mit dem Vorderteil zugeschnitten. Ein zweites Mal wird an der Einfasskante die Linie begradigt und 1cm dazu gegeben, sodass das Teil etwas größer ist. An den unveränderten Kanten wird der Schaumstoff ebenfalls um 0,5cm zurückgeschnitten.



Die Verarbeitung


1 Damit das Vernähen mit der typischen Sattlernaht später einfacher funktioniert, werden beide Lederteile passend aufeinander gelegt und mit Kreppband an den Kanten fixiert. Um die Löcher für die Naht "vorzustanzen" muss in die Nähmaschine eine dicke Nadel eingesetzt werden. Der Faden sollte ausgefädelt sein.








Mit einer Stichgröße von 4-4,5mm kann nun knappkantig neben der Kante das Leder vorgenäht werden. Dabei sollte auf einen gleichmäßigen Abstand von 3-4mm geachtet werden.


WICHTIG:

Damit das obere Lederstück nicht vor dem Füßchen her geschoben und immer länger wird, sollte der Füßchendruck deutlich verringert werden. Hilfreich ist zudem ein Teflonfüßchen. Es ist mit einer Teflonschicht beschichtet, sodass es über schwierige Materialien wie beispielsweise Leder gleitet.

Damit auf der Unterseite des Leders keine Abdrücke vom Transporteur entstehen, sollte Backpapier oder ähnliches unter das Nähgut gelegt werden.


Wurde einmal außen herum genäht, können die Klebestreifen entfernt und die Lederteile getrennt werden. An der Eingriffskante des vorderen Schnittteils muss nun ebenfalls entlang genäht werden.



2 Nun kann das Rückteil zur Verarbeitung vorbereitet werden. Dazu müssen die Stellen, an die ein Verschluss gesetzt wird fixiert werden, damit nichts ausreißt.

Dazu beginnen wir mit dem Futter des Rückteils (mit Klappe).


Auf der linken Stoffseite wird das Filedon an der Stelle aufgelegt, an die später der Verschluss angebracht werden soll. Darüber wird ein kleines Reststück vom Stoff gelegt und für 10-15 Sekunden mit dem Bügeleisen aufgepresst. Das Filedon verbindet beide Stofflagen und verstärkt es zusätzlich.

Anschließend kann der Verschluss an der fixierten Stelle angebracht werden.




Das Rückteil aus Leder wird auf der Innenseite mit dem Textilkleber großzügig eingestrichen und der Schaumstoff (das größere Teil) angedrückt. Dabei sollte es von allen Rändern einen gleichmäßigen Abstand behalten.







Wenn der Textilkleber getrocknet ist, kann das Futter aufgebracht werden. Dazu wird das Filedon auf alle Kanten des Leders (Innenseite) gelegt. Es sollte ein kleines bisschen überstehen, damit das Leder mit Schaumstoff auf jeden Fall an den gesamten Kanten mit dem Futter verklebt wird.


Das Futter kann nun mit dem Textilkleber eingestrichen werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass es nicht durchweicht. Das Futter wird nun auf die Innenseite des Rückteils aufgedrückt. Dabei sollte genau auf die Position des Verschlusses geachtet werden.


Wenn es angetrocknet ist, kann über alle Kanten gebügelt und das Futter dort für 10-15 Sekunden aufgepresst werden. Dabei verbindet das Filedon das Futter mit dem Leder und Schaumstoff. Zusätzlich stabilisiert es die Kanten.


WICHTIG:

Das Filedon an den Kanten zu verwenden ist wichtig, da hier eine "Stufe" zwischen Schaumstoff und Leder entsteht. Dort kann es schnell passieren, dass sich der Textilkleber löst.


3 Anschließend geht es an die Vorbereitung des Vorderteils. Hier muss der Verschluss am Leder angebracht werden. Dazu wird das Vorderteil auf das Rückteil aufgelegt, so wie es später zusammengenäht werden soll. Die Klappe des Rückteils wird herunter geklappt und die Stelle markiert, an der der Verschluss auf das Vorderteil trifft.



Hier wird nun auf der linken Lederseite ebenfalls die Stelle mit Filedon und einem Reststück Stoff verstärkt und anschließend das Gegenstück des Verschlusses angebracht.



Nun kann die Innenseite des Leders mit mit dem Textilkleber großzügig eingestrichen und der Schaumstoff (das kleinere Teil) angedrückt werden. Dabei sollte es von allen Rändern einen gleichmäßigen Abstand behalten.




Wenn der Textilkleber getrocknet ist, kann das Futter aufgebracht werden. Dazu wird das Filedon auf alle Kanten des Leders (Innenseite) gelegt. Es sollte ein kleines bisschen überstehen, damit das Leder mit Schaumstoff auf jeden Fall an den gesamten Kanten mit dem Futter verklebt wird.

Das Futter kann nun mit dem Textilkleber eingestrichen werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass es nicht durchweicht. Das Futter wird nun auf die Innenseite des Vorderteils aufgedrückt.

Wenn es angetrocknet ist, kann über alle Kanten gebügelt und das Futter dort für 10-15 Sekunden aufgepresst werden.


4 Dann kann es endlich ans Nähen gehen! Entlang der Einfasskante wird nun mit einer speziellen Leder-Nähtechnik genäht. Dazu benötigst du einen Faden, der etwa 3-4x so lang ist wie die zu nähende Kante. An beide Enden des Fadens wird eine Nadel gefädelt.

Mit einer der Enden stichst du nun durch das erste Loch durch, sodass auf der inneren und äußeren Seite jeweils ein Ende des Fadens liegt.

Dann stichst du durch das zweite Loch und beide Fäden liegen auf einer Seite. Den Faden vom ersten Loch stichst du nun durch das zweite Loch (durch das schonmal genäht wurde) und du hast nun auf beiden Seiten wieder einen Faden.

Dadurch, dass du jede Naht "doppelt" nähst und sich die Fäden überkreuzen, bekommst du mehr Stabilität und wenn sich ein Faden durch Reibung Mal abnutzen sollte, geht nicht direkt die ganze Naht auf, sondern behält ihre Stabilität.

So wird nun die gesamte Einfasskante verarbeitet.


Anschließend kann hier das überstehende Futter kantig abgeschnitten werden.








Mit dem Kantenlack wird die Kante nun versiegelt. Dazu sollte eine Schicht direkt auf die Kante aufgetragen werden. Wenn diese getrocknet ist, sollte der Vorgang wiederholt werden, bis eine schöne glatte Kante entsteht.


Durch die Versiegelung wird die Schnittkante von Futter und Leder vor Abnutzung geschützt.





5 Nun kann das Vorderteil auf das Rückteil gelegt werden. Dabei zeigen die Lederseiten nach außen.


Ich habe an einer der unteren Ecken begonnen zu nähen, so kann man sicher gehen, dass die Löcher exakt aufeinander liegen und nicht verschoben sind.


Hierfür sollte ein sehr langer Faden verwendet werden, damit zwischendurch keine unschönen Stellen entstehen. Das ist zwar am Anfang etwas mühselig, aber es wird sich lohnen!

So werden nun beide Teile miteinander vernäht. Die einzelnen Stiche sollten direkt festgezogen werden, damit sie gleichmäßig aussehen.



Wenn einmal außen herum genäht wurde, wird mit beiden Enden nur durch eine Lederschicht gestochen, sodass die Fäden innen liegen. Dort werden die Enden zwischen beiden Teilen miteinander verknotet und in das Teil eingezogen.


Anschließend kann hier das überstehende Futter kantig abgeschnitten werden.


Mit dem Kantenlack wird nun die gesamte Außenkante versiegelt. Das kann mehrmals wiederholt werden, bis eine schöne, glatte Kante entsteht.




Das nähen einer eigenen Tablet/ Laptop-Hülle ist sehr aufwändig, aber das Ergebnis lohnt sich!

Dazu inspiriert hat mich die liebe Vivian von Bags&Pieces. Auf ihrem Instagram Account @bagsandpieces.co gibt es viele Tipps zur Lederverarbeitung.

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