Wie alles entsteht

Von der Idee bis zum fertigen Schnittmuster und der dazugehörigen Anleitung benötigt es sehr viel Zeit und vor allem Freude am Nähen.



Meistens beginnt es nicht mit Recherche sondern einer konkreten Idee. Dazu zeichne ich eine kleine Skizze und schreibe mir wichtige Infos dazu wie zum Beispiel Stoffideen oder Verarbeitungshinweise. Und dann geht es auch schon auf Stoffsuche. Das ist für mich persönlich einer der schwersten Schritte. Denn ich habe meistens eine genaue Vorstellung, was für einen Stoff ich verwenden möchte, nur bis man genau diesen findet oder eine passende Alternative, kann es schon Mal eine Weile dauern.

Wenn ich dann also den passenden Stoff gefunden habe, zeichne ich einen Schnitt in meiner Basisgröße. Meistens zeichne ich auf Folie. Das ist besonders geschickt für Stoffe mit Mustern. Denn so kann ich die Schnittteile genau auf dem Stoff platzieren und sie passend zum Muster ausrichten.


Dann geht es auch schon ans Nähen. Dabei musste ich mich besonders am Anfang sehr daran gewöhnen, alle Arbeitsschritte mit der Kamera festzuhalten.

Der Prototyp ist sehr wichtig um Verarbeitungsweisen zu testen und die einfachsten, beziehungsweise angenehmsten herauszufinden, damit ich euch die Arbeit so weit es geht erleichtern kann.

Beim Anprobieren fallen dann mögliche Passformprobleme auf, die ich dann für die Schnittmuster beheben kann. Dabei geht es meist nicht um gravierende Probleme, sondern eher Kleinigkeiten um die Passform zu perfektionieren oder die Optik an den Entwurf anzupassen.


Ist der Prototyp genäht und anprobiert, so verschiebt sich mein Arbeitsplatz von der Nähmaschine zum Laptop. Dort zeichne ich als erstes die technische Zeichnung und färbe sie anschließend zum besseren Verständnis ein.

Diese Zeichnung wird auf das Deckblatt eingefügt. Dort werden auch die Icons für die verwendeten Nähmaschinen und die Größen angegeben.

Spätestens jetzt besuche ich meinen Freund Google und bitte ihn um Hilfe, einen neuen Namen für das neue Kleidungsstück zu finden. Dabei werden die Teile nach Amerikanischen Städten benannt.


Jetzt kann mit dem digitalisieren begonnen werden. Dazu scanne ich den Basisschnitt ein und korrigiere Verläufe und überarbeite die Passform. Dabei berücksichtige ich alle Änderungen und verbessere mögliche Probleme wie beispielsweise zu viel Einhalteweite am Ärmel. Dabei überprüfe ich immer wieder die Übereinstimmung aller Längen, damit am Schluss alle Kanten aufeinander passen.

Wenn der Schnitt in der Basisgröße stimmt und ich keine Änderungen mehr vornehmen muss, werden die einzelnen Schnittteile gradiert. Das bedeutet, sie werden vergrößert und verkleinert, sodass das Schnittmuster von Größe 32 bis Größe 48 erhältlich ist. Beim Gradieren werden auf die Eckpunkte verschiedene X und Y Werte gesetzt, sodass sie sich in die gewünschte Richtung verschieben und somit vergrößern und verkleinern.


Anschließend werden die einzelnen Größen möglichst platzsparend ausgerichtet und auf einem Raster platziert. Dazu wird jedes Schnittteil mit den Größen und einem Informationsblock beschriftet. Die Schnittteile jeder einzelnen Größe werden mit unterschiedlichen Linienarten von einander abgehoben um sie leichter auseinander halten zu können. Dann werden die einzelnen Abteilungen des Rasters exportiert und auf A4 Größe ausgerichtet. Die einzelnen A4 Seiten werden durchnummeriert um sie einfacher in der richtigen Reihenfolge zusammensetzen zu können. Zusätzlich erstelle ich eine Übersichtsseite. Auf dieser ist das komplette Schnittmuster mit Seitenbeschriftung und Größentabelle aufgeführt.


Das Schnittmuster der Basisgröße wird nochmals separat angeordnet und für die Schnittteilskizze exportiert. Diese beschrifte ich mit wichtigen Hinweisen um sie richtig zuschneiden und nähen zu können. Bei aufwändigen Teilen wie beispielsweise Blazern, erstelle ich noch eine separate Futter- und Einlageskizze.


Jetzt kann ich mit der Nähanleitung starten. Beim Deckblatt, auf der ersten Seite, schreibe ich eine kurze Beschreibung des Schnittmusters. Auf der nächsten Seite werden alle wichtigen Informationen zur Stoffauswahl und benötigten Zutaten aufgeführt. Anschließend wird der Zuschnitt beschrieben. Dort kommen die Schnittteilskizzen zum Einsatz. Hier erkläre ich detailliert, welches Teil wie oft zugeschnitten werden muss und welche Nahtzugaben dazu gezeichnet werden sollten.

Bei meinen Schnittmustern sind keine Nahtzugaben angestellt, damit jeder selbst bestimmen kann, wie viel Spielraum er möchte und somit auch auf die individuellen Eigenschaften des Stoffes eingehen kann.

Bei aufwändigen Teilen wird außerdem noch die Komplett- und Teilfixierung beschrieben.


Dann folgt die detaillierte Nähanleitung. Dort erkläre ich die einzelnen Nähschritte in der sinnvollsten Reihenfolge. Ich versuche die Verarbeitungen möglichst verständlich und ausführlich zu erklären. Denn es ist mir wichtig zu erklären, warum etwas so gemacht werden sollte und was es für einen Vorteil mit sich bringt im Gegensatz zu anderen Verarbeitungsweisen. Ich möchte, dass man sich durch die Anleitungen im Nähen verbessern kann. Dazu gehört natürlich auch, sich aus den unterschiedlichsten Nähanleitung die, für einen selbst, beste Verarbeitung herauszupicken.

Aus diesem Grund werden bei vielen ähnlich wirkenden Schnittmustern unterschiedliche Herangehensweisen gewählt.

Um unverständliche Beschreibungen und Schreibfehler zu vermeiden, liest meine liebe Freundin und Schneidermeisterin Luisa die Anleitungen nochmal durch. Denn 4 Augen sehen immer mehr als 2. An dieser Stelle ein Danke für deine tolle Unterstützung!

Auch bei meinem Mann möchte ich mich Bedanken, denn er ist mein Starfotograf und setzt die genähten Teile immer fantastisch in Szene.


Jedes meiner Schnittmuster ist mit viel Liebe und großer Leidenschaft entstanden. Es steckt in jedem Teil sehr viel Arbeit und manchmal sogar Schweiß und wortwörtlich Blut. Besonders bei weißen Teilen... immer...

Deshalb freue ich mich immer riesig, wenn ich eure fertigen Nähprojekte bestaunen kann.


Ich wünsche euch viel Freude am Nähen!

2 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

STAY CONNECTED

  • Instagram Clean

lucy.sonnenschein.design

ALSO VISIT

© 2020 by lucy.sonnenschein.design