Voll- und Teilfixierung

Das großflächige Bekleben mit Fixiereinlagen ist besonders bei Jacken und Mänteln ein großes Thema. Dabei gibt es verschiedene Arten von Fixierungen - jede davon hat ihre Vor- und Nachteile.



Um einen kleinen Überblick zu bekommen, welche Einlage die passende für deinen Stoff ist, kannst du dir 10x10cm große Rechtecke aus verschiedenen Einlagen zuschneiden und nebeneinander auf deinem Stoff aufbügeln. Dabei sollte die Einlage mit dem Bügeleisen für 12-15 Sekunden aufgepresst werden, damit sich die einzelnen Klebepunkte optimal mit dem Stoff verbinden können.


Dabei gibt es verschiedene Arten von Einlagen:

  • Gewebeeinlagen - sind meist festere, steifere Einlagen, welche durch überkreuzende Längs- und Querfäden entstehen (Kett- und Schussrichtung). - Geeignet um Stoffe deutlich zu verstärken wie beispielsweise die Schulterpartie bei Sakkos. Deshalb eignen sie sich eher für die partielle zusätzliche Teilfixierung in Kombination mit einer anderen Einlage die als Voll- und Teilfixierung verwendet wird.

  • Vlieseinlagen - gibt es in dünnen, weichen, aber auch in sehr steifen Varianten. - Je nach Art eignen sie sich für versteifte Krägen und Manschetten. Die weicheren Varianten können, je nach zu fixierendem Stoff, wunderbar zur Voll- und Teilfixierung verwendet werden.

  • Vlieseinlagen mit stabilisierenden Fäden (zum Beispiel H410) - gehören definitiv zu meinen Lieblings-Einlagen. Sie haben den Vorteil, dass sich Stoffe nicht in die Länge oder Breite ausdehnen können (je nach Fadenlauf). - Dadurch eignen sie sich besonders gut für die Voll- und Teilfixierung aber auch hervorragend für Bundfixierungen und das Fixieren von Knopfleisten und Kleinteilen wie Kragen und Manschetten.

  • Elastische Vlieseinlagen - sind natürlich für elastische Stoffe gedacht, damit sie weiterhin eine gewisse Elastizität behalten, aber im Gesamten trotzdem versteift, beziehungsweise stabilisiert werden. - Sie sollten nur für elastische Stoffe verwendet werden und eignen sich bei diesen deshalb auch sehr gut zur Voll- und Teilfixierung.


Nachdem du nun verschiedene Fixiereinlagen auf deinem Stoff aufgebügelt hast, kannst du kontrollieren, ob der Stoff dabei eventuell eingegangen ist.

Außerdem kannst du durch das Fühlen die veschiedenen Einlagen vergleichen und die für dich passende auswählen. Dabei gilt zu beachten, dass die Einlage sich für den Zweck, für die du sie verwendest auch eignet. In diesem Fall die Voll- und Teilfixierung.


Dafür sollte die Einlage den Stoff verstärken, aber nicht steif wirken lassen. Es sollte sich beim Anfassen kein allzu großer Unterschied zwischen fixiertem Stoff und unfixiertem Stoff bemerken lassen. Denn ein weich fallender Stoff, der mit Einlage schon von selbst stehen kann, passt nicht zusammen und eignet sich daher nicht für die Voll- und Teilfixierung.


Die Einlage soll den Stoff nur unterstützen und ihn nicht in seinem Griff und den Eigenschaften grundlegend verändern.



Aber was genau ist jetzt die Voll- und Teilfixierung?


Die Vollfixierung bezeichnet das Bekleben mit Einlage eines vollständigen Schnittteils. Das wird hauptsächlich mit Belegen, Manschetten und Krägen gemacht. Bei Jacken und Mänteln zusätzlich noch am kompletten Vorderteil. Denn hier liegt die größte Beanspruchung am Kleidungsstück. Die Jacke wird zugeknöpft und wieder geöffnet, es werden Taschen eingearbeitet, die durch das hineinstecken der Hände oder kleiner Gegenstände immer wieder starken Widerständen ausgesetzt sind. Außerdem ist bei den meisten Jacken und besonders bei Blazern und Sakkos das Revers angeschnitten. Dass muss zur besseren Stabilität auch fixiert sein. Deshalb lohnt es sich, das gesamte Vorderteil mit Einlage zu bekleben.

Bei Stoffen die gerne ausleiern wie beispielsweise Wollstoffe, ist es sinnvoll eine Einlage mit stabilisierenden Fäden zu verwenden. Diese verlaufen entlang des Fadenlauf (von oben nach unten) und verhindern, dass sich das Kleidungsstück auf Dauer auslängt.


Die Teilfixierung dagegen bezeichnet, wie der Name schon sagt, das Bekleben mit Einlage von gewissen Teilpartien. Das wird bei Jacken und Mänteln hauptsächlich bei der Schulterpartie, Schlitz- und Taschenverarbeitung und dem Armloch gemacht. Denn am Armloch wird das Kleidungsstück gerade beim an- und ausziehen stärker beansprucht. Die Fixierung in diesem Bereich verhindert deshalb das Ausleiern der Armlöcher.

An der Schulterpartie wird eine zustäzliche Stabilität für eine schönere Form benötigt. Dadurch wird der Schulter- und Nackenbereich verstärkt, wodurch sich das Material besser an die Körperform anformen lässt ohne bei jeder Unebenheit (z.B. Übergang zu Schulterpolstern) einzufallen.

Bei der Schlitzverarbeitung hilft die Einlage, den eingebügelten Bruch in Form zu halten und den Übergang von Schlitz zu Teilungsnaht zu stabilisieren.

Auch um eine Tasche wirklich einarbeiten zu können, muss der Bereich mit Einlage fixiert werden, damit er sich nicht ausdehnen kann und in Form bleibt. Gerade beim Einschneiden bei der Verarbeitung hilft die Einlage, die heiklen Bereiche zu sichern, damit der Stoff nicht einreißt.


Ein wichtiger Tipp aus dem Schneiderhandwerk, der sich bei mir schon seit vielen Jahren bewährt: Die Kanten der Teilfixierung, die in das Teil ragen, müssen in Wellenform geschnitten werden. Denn eine Wellenform drückt sich weniger durch als eine gerade Kante. So bleibt die Einlage von außen unsichtbar.



In all meinen Schnittmustern, das mit Teil- und Vollfixierung verarbeitet wird, gibt es einen Fixierplan, der hilft alle Schnittteile richtig zu fixieren.

Hast du nun also auch Lust einen Blazer zu nähen? Dann schaue dir gerne das Schnittmuster Jackson, ein doppelreihiger Blazer, an.


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